Die Initiative Online Print, der Bundesverband Druck und Medien sowie Intergraf entwickeln einen Branchenstandard für Googles Universal Commerce Protocol. Damit sollen die Anforderungen von Druckprodukten in der KI-gestützten Verkaufsabwicklung in der Aufbauphase des Protokolls verankert werden.
Die Initiative Online Print (IOP), der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) und Intergraf bündeln die Kräfte, um einen eigenen Branchenstandard für Googles Universal Commerce Protocol (UCP) zu etablieren. Das UCP ermöglicht es KI-Agenten, Produkte im Namen von Verbrauchern direkt in Anwendungen wie dem Google AI Mode oder der Gemini-App zu erwerben. Da das Protokoll bisher primär für den klassischen Einzelhandel mit statischen Katalogen konzipiert wurde, bilden die aktuellen Spezifikationen die komplexen Prozesse der Druckindustrie nicht ab.
Druckprodukte zeichnen sich durch individuelle Konfigurationen, Datenuploads, Preflight-Prüfungen und dynamische Preisberechnungen aus. Um diese Lücken zu schließen, plant die Kooperation die Entwicklung eines dedizierten Service-Namespace mit dem Arbeitstitel "dev.ucp.print". Dieser soll Funktionen wie automatisierte Datenprüfungen, Softproof-Freigaben und eine dynamische Lieferzeitberechnung integrieren. "Wer den Standard definiert, definiert die Spielregeln. Die Druckindustrie kann die Zukunft des Agentic Commerce für Print entweder aktiv gestalten – oder von anderen gestalten lassen", erklärt Bernd Zipper, Vorstandsvorsitzender der Initiative Online Print.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Vorhabens ist erheblich. Der europäische Markt für Druckdienstleistungen wird für das Jahr 2026 auf 85 Milliarden Euro beziffert. Allein im DACH-Raum erreichte der online generierte Druckumsatz im Jahr 2025 ein Volumen von rund 8,1 Milliarden Euro. Erste Implementierungen des UCP im Einzelhandel zeigen bereits positive Effekte: Die Konversionsraten durch KI-gestützten Traffic liegen im Schnitt 28 Prozent über denen der klassischen Suche.
Der Zeitplan der Initiative sieht vor, dass die Arbeitsgruppe unter Führung der IOP im zweiten Quartal 2026 mit dem Requirements Engineering beginnt. Im dritten Quartal erstellen IOP und BVDM den Spezifikationsentwurf, während Intergraf die europaweite Konsultation steuert. Die Einreichung bei Google ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Erste Pilotprojekte mit Mitgliedern der Initiative Online Print sollen Anfang 2027 starten, bevor in der ersten Jahreshälfte der Rollout für die gesamte Branche erfolgt. Da das UCP ein Open-Source-Projekt ist und in Europa noch nicht offiziell eingeführt wurde, bietet sich der Druckindustrie derzeit ein ideales Zeitfenster für die Mitgestaltung globaler Standards.
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