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04.01.2011  Wirtschaft
Ost-Verbände: „Spitzenpreise“ vermeiden!
Der Verband Druck und Medien Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt (VDM) und der Verband Ostdeutscher Papierfabriken (VOP) haben in einem „Spitzengespräch“ Möglichkeiten ausgelotet, „den Teufelskreis der Preiserhöhungen zu durchbrechen“.
Das oben angeführte Zitat stammt vom VDM-Vorsitzenden Dr. Klaus Schwarz, der das Gespräch kürzlich mit dem VOP-Geschäftsführer Bernd Gunkel führte. Wie der VDM selbst in einer Pressemitteilung über den Gesprächsverlauf mitteilt, mussten während des abgelaufenen Jahres 2010 die Druckereien mehrere Preissteigerungen bei Verbrauchsmaterialien verkraften. Konkret habe der Preisanstieg von durchschnittlich sechs bis zehn Prozent jeweils zu Anfang April, Juli und Oktober, der von den Papiergroßhändlern in mehreren Produktsegmenten überwiegend weiter gegeben worden sei, zu schaffen gemacht. „Unsere Kunden können gar nicht nachvollziehen, wenn die Preise für individuelle Druck-Dienstleistungen steigen, während Online-Druckereien durch aggressive Preis-Rabattaktionen bei Standard-Drucksachen auf sich aufmerksam machen“, wird Dr. Schwarz weiter zitiert. Und: „Print-Einkäufer sind gegenüber Preissteigerungen sensibel, sie legen Wert auf Kosten-Kontinuität. Druckereien müssen übers Jahr berechenbar und planbar bleiben, weil sie als Partner sonst uninteressant werden dürften.“
Papiere, so Dr. Schwarz weiter, hätten mit durchschnittlich 30 bis 50 Prozent einen hohen Kostenanteil in der Kalkulation, den die Druckereien weder durch höhere Produktivität noch durch reduzierte Margen abfedern könnten. Falls es weitere unvorhersehbare Papier-Preissteigerungen gebe, könne es so weit kommen, dass immer mehr Kunden auf Print-Dienstleistungen verzichten und stattdessen auf Online-Werbeformen setzen. Damit würde gleichzeitig die Existenz von Papierfabriken, Papiergroßhändlern und Druckereien auf dem Spiel stehen.
„Infolge der weltweiten Rohstoffverknappung und zunehmend höherer Papiernachfrage ist definitiv nicht mit zurück gehenden Preisen zu rechnen“, prognostizierte Bernd Gunkel in dem Gespräch. Binnen Jahresfrist hätten sich die Sulfatzellstoff-Einfuhrpreise um die Hälfte sowie die durchschnittlichen Altpapierpreise zwischen 50 Prozent (Deinkingware) und 100 Prozent (gemischtes, sortiertes und Kaufhaus-Altpapier) erhöht. Außerdem sei die Papierindustrie angesichts hohen Stromverbrauchs von steigenden Kostenbelastungen u.a. durch das neu geschaffene EEG-Umlagegesetz betroffen. Last but not least könne insbesondere die Ertragslage der Papierfabriken absolut nicht zufrieden stellen. „Grafische Papiere wie Pressedruck-Papiere werden von den größeren Firmen produziert, die ganz besonders von der Entwicklung der globalen Rohstoff-Märkte abhängen“, erläuterte Gunkel.
„Unsere Druckereien haben Interesse, auch für Papier ein geeignetes Einkaufssystem aufzubauen, das weitere ‚Spitzenpreise’ verhindert. So ist das Energie-Einkaufsmodell unseres Verbandes, das variablen Strombezug von diversen Anbietern erlaubt, ein funktionierendes Beispiel“, deutete Dr. Schwarz einen „seriösen“ Weg aus dem Dilemma an. Vielleicht ließe sich eine regionale Einkaufsallianz auf freiwilliger Teilnehmer-Basis initiieren, um festgelegte, für die Zertifizierung nach Prozess-Standard Offsetdruck geeignete Papiersorten in Mindestabnahmemengen zu günstigeren Konditionen zu erhalten? Wiederum dürfte ein solcher Einkaufspool geltendes Wettbewerbsrecht nicht verletzen. Eventuell könne auch eine Marktstärkung durch Lokalisierung erreicht werden, indem Druckereien durch ein Herkunftszertifikat oder Qualitätsgütesiegel „Ostdeutschland“ höhere Preise für ihre Dienstleistungen rechtfertigen.
Gemeinsam wurde beschlossen, dass gegenüber dem VOP in anonymer Form offenbart werde, welche Kapazitäten, insbesondere Volumen sowie Papiersorten und -qualitäten die VDM-Mitgliedsbetriebe gewöhnlich benötigen. Diese Analyse diene dem Zweck, durch gegenseitige Kooperation voneinander zu profitieren und Einsparpotenziale beim Papier-Einkauf zu bezahlbaren Preisen auszuloten. (tf)
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