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21.09.2021  Wirtschaft
Wie geht es auf dem Papiermarkt weiter?
Druckereien beklagen Engpässe bei der Papierversorgung. Der Bundesverband Druck und Medien informierte in einer Veranstaltung über die aktuelle Lage.
Seit Monaten gehören steigende Preise für Papier sowie Ungewissheit über Liefermengen und -termine zu den großen Problemen in der Druck- und Medienwirtschaft. In zahlreichen Druck- und Medienbetrieben sorgen die Engpässe auf den Papiermärkten für alarmierende Produktionsbehinderungen.

Diese Unsicherheit hatte sich in emotional aufgeheizten Kontakten zwischen Kunden und Zulieferern von Papier Bahn gebrochen. Deshalb hatte der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) in seinem Online-Event infoKompakt Winfried Schaur, Präsident des Verbandes Die Papierindustrie, sowie Stephan Krauss, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes des Deutschen Papiergroßhandels, gebeten, sich den Fragen von 330 Unternehmerinnen und Unternehmern zu stellen.
 
Die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer reichten von den Gründen für die Turbulenzen an den Märkten über Prognosen zur Entwicklung in den nächsten Monaten bis zur Befürchtung, dass die Produktion von Verpackungsmaterial zukünftig noch attraktiver als die Herstellung von grafischem Papier werde.
 
Winfried Schaur führte dazu aus, dass der Nachfragerückgang bei grafischen Papieren von 44 Prozent seit 2012 zu einem massiven Kapazitätsabbau der Produktionsanlagen in ganz Europa geführt habe. Coronabedingt habe sich diese Entwicklung in den vergangenen 20 Monaten noch verschärft. Gleichzeitig sei der Bedarf an Zellstoff in Ländern wie China aufgrund einer anziehenden Konjunktur und geringeren Importen von Altpapier gestiegen. Schließlich sei Altpapier kein nachwachsender Rohstoff, sondern folge im Kreislauf der vorangegangenen Nutzung von Papier. Diese aber sei in der Coronapandemie eingebrochen.
 
Die Lager des Großhandels seien teilweise noch lieferfähig, aber nicht imstande, die aktuellen Engpässe auszugleichen und schon gar nicht das Streckengeschäft zu ersetzen, kommentierte Stephan Krauss die aktuelle Situation.

Besonders kritisch wurde aus dem Auditorium die Vermutung hinterfragt, dass im Gegensatz zu Druckereien, denen Kaufkontingente gekürzt oder Liefertermine erst in einigen Monaten in Aussicht gestellt würden, große Industriekunden in einzelnen Fällen sofort direkt beliefert worden seien – ein Verdacht, dem gemäß Kraus nachgegangen werden muss.
 
Sowohl Schaur als auch Krauss zeigten großes Verständnis für die existenziellen Problemen ihrer Kunden aus der Druck- und Medienwirtschaft. Deutlich wurde auch, dass die Kommunikation zwischen Kunden und Lieferanten in dieser Krise nicht optimal gewesen ist. So ist es für Druckereien schwierig, wenn mit Kunden Verträge für das Jahr 2022 verhandelt werden sollen, aber keine Preis- und Liefertendenzen seitens der Papierlieferanten genannt werden können. Stephan Krauss warb deshalb für einen verstärkten Austausch zwischen den Geschäftspartnern.
 
Bewusst war allen Teilnehmern, dass die Gefahr eines weiteren Abwanderns von Aufträgen in das Onlinegeschäft, insbesondere in der Werbung, nicht durch eine Störung der Lieferketten befördert werden dürfe. Denn damit verlören auch die ökologischen Vorzüge von bedrucktem Papier gegenüber den Umweltbelastungen durch Onlinemedien zum Nachteil der gesamten Wertschöpfungskette Print an Boden. (kü)

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