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15.07.2021  Strategie
Die Druckbranche im Wandel: Die Hürden sind im Kopf
Wie schaffen Druckereien den Wandel vom Handwerk zur Industrie? Warum die größten Hürden im Kopf sind weiß Gastautor Sebastian Krüger.
Kaum ein Handwerk unterlag einer so rasanten Technisierung wie "die Schwarze Kunst", das Druckhandwerk. Dessen Evolution spannt den Bogen vom Wechsel vom Blei- auf den Fotosatz bis hin zum Aufkommen des Digitaldrucks. All diese technologischen Neuerungen haben Druckereien noch recht gut abbilden können. Dann aber kam das Internet und sorgte für einen tiefgreifenden Wandel weg von Print, hin zu Online.
 
Das seit gut zehn Jahren bei rund 20 Milliarden Euro stagnierende Umsatzvolumen führte zu einem harten Verdrängungswettbewerb – von 2008 bis 2020 verschwanden 3.225 Druckereien vom Markt, praktisch an jedem Arbeitstag eine. Dazu kommt, dass sich auch die traditionelle Vertriebsstruktur komplett geändert hat. Die Druckbetriebe sind durch die moderne Produktionstechnik sehr vergleichbar geworden. Qualität und Termintreue, früher Elemente der Kundenbindung, sind Standard.
 
Ein wesentlicher Treiber der Entwicklung sind die großen Digitaldruck-Portale. Sie bieten ihre Services überregional an, neue Technologien werden schnell adaptiert, Angebote und Geschäftsmodelle flexibel den Anforderungen des Marktes und der Kunden angepasst. Hocheffizient stellen sie individualisierte Produkte auch in sehr kleinen Auflagen her.

Handwerk versus Industrie
Klassisch handwerklich arbeitende Druckbetriebe mit traditionellen Strukturen können da nicht mithalten. Dieser Entwicklung ist nur durch die Digitalisierung der Geschäftsprozesse beizukommen – aber während Druckereien in moderne Produktionstechnik investiert haben, wurde dieser Aspekt meist außer Acht gelassen.
 
Die zur Preisfindung, Auftragsabwicklung und Produktionssteuerung eingesetzten Programme stammen meist aus einer Zeit, in der die heutige Druckindustrie schlicht noch Science-Fiction war. Nur die Unternehmen der Druckindustrie, die sich der Digitalisierung öffnen und die Weichen in die richtige Richtung stellen, werden auf Dauer eine Zukunftsperspektive haben.
 
Im Rahmen der dringend notwendigen Digitalisierung von Druckereien gilt es, die Abläufe mit Hilfe entsprechender Software konsequent zu optimieren. Das funktioniert nur über die Standardisierung und Automatisierung der Prozesse. Eine Voraussetzung ist der Datenaustausch zwischen möglichst allen eingesetzten Systemen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.
 
Die größten Hürden sind im Kopf
Dennoch ist es oft ein langwieriger Weg, bis die Anstrengungen Früchte tragen. Menschen sind "Gewohnheitstiere", sie empfinden Neuerungen als Störfaktoren, die vermieden oder zumindest ausgeblendet werden sollten. Dabei geht es darum, Menschen von immer wieder gleichen Tätigkeiten zu entlasten, damit sie ihre fachliche Kompetenz für Dinge nutzen können, die Computersysteme eben nicht können – Stichwort Kundenberatung.
 
Daher geht es im Rahmen einer Digitalisierungsinitiative nicht allein um Soft- oder Hardware – es geht erst einmal darum, diese Hürden in den Köpfen niederzureißen, eine „digitale Mentalität“ aufzubauen. Das gilt sowohl für die Teams etwa in der Auftragsannahme und im Drucksaal als auch oft für die Führungsriege. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es daher, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "abzuholen". Sobald die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkennen und verstehen, dass die neuen Systeme die Arbeit erleichtern, steigt die Akzeptanz, werden die Digitalisierungsprojekte oft fast zu Selbstläufern.

Druckereien, die immer noch vor der Digitalisierung ihres Geschäfts zurückschrecken, kann das Sprichwort „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“ den nötigen Mut machen. Die Werte des Handwerks wie Kompetenz und Qualität gehen durch die Digitalisierung der Abläufe nicht verloren – im Gegenteil: Druckereien haben wieder mehr Zeit, sich damit gegenüber ihren Kunden zu positionieren.

Zum Autor: Sebastian Krüger
Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter und Weiterbildung zum Medienfachwirt arbeitete Sebastian Krüger rund 14 Jahre in verschiedenen Druckereien als Mediengestalter und Kundenberater. Im Jahre 2011 wechselte er in die Softwarebranche und kam nach Stationen bei Alphagraph und EFI 2018 zu Crispy Mountain (heute Zaikio), dem Entwickler der Druckereimanagement-Software Keyline. Als Customer Success Manager ist er für Druckereien Ansprechpartner für Keyline und die Konnektivitäts-Plattform Zaikio.
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