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06.04.2021  Wirtschaft
Tarifverhandlungen sind festgefahren
Im Tarifstreit für die Beschäftigten in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie wird der Ton schärfer. Warum die geplante Verhandlungsrunde nicht stattgefunden hat.
Der Tarifkonflikt für die rund 100.000 Beschäftigten der Papier-, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie ist festgefahren. Der Hauptverband der Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) verweigerte laut der Gewerkschaft Verdi zweimal die Wiederaufnahme von Tarifverhandlungen, weil zum Zeitpunkt der Verhandlungstermine in einzelnen Betrieben Warnstreiks stattfanden. 

"Es ist ungeheuerlich, grundgesetzlich verbriefte Rechte aushebeln und Warnstreiks der Beschäftigten verbieten zu wollen. Damit provoziert der HPV weitere Streiks", erklärte der Verhandlungsführer der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Andreas Fröhlich.
 
Gewerkschaftliche Warnstreiks seien auch nach Ablauf der Friedenspflicht während noch laufender Tarifverhandlungen zulässig, habe das Bundesarbeitsgericht eindeutig festgestellt. Nach der dritten Verhandlungsrunde hatten sich im vergangenen Monat mehr als 3.500 Beschäftigte aus 62 Betrieben unter Beachtung der Hygiene-Regeln bundesweit an Warnstreiks beteiligt, um gegen die bisher unzureichenden Angebote der Arbeitgeber zu protestieren.

Verdi wirft den Arbeitgebern der Papier-, Pappe- und Kunststoffe verarbeitenden Industrie vor, die Corona-Pandemie auszunutzen, um die Beschäftigten mit einer möglichst niedrigen Lohnerhöhung abzuspeisen. Die Branche sei gut durch die Pandemie gekommen. In großen Bereichen der Industrie gibt es eine überdurchschnittliche Auslastung mit Sonderschichten und Überstunden.

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,8 Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Der HPV bot zuletzt bei sieben Nullmonaten während der Laufzeit 1,1 Prozent ab dem 1. Juli 2021 und weitere 1,3 Prozent ab 1. April 2022 mit einer Laufzeit vom 1. Februar 2021 bis 31. Januar 2023 an. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 24. April 2021 angesetzt.

Vom HPV heißt es: Trotz mehrfacher Appelle der Arbeitgeber, auf Arbeitskampfmaßnahmen während der Verhandlungsgespräche zu verzichten, hat Verdi erneut zum Streik aufgerufen. "Wir haben der Gewerkschaft ein zusätzliches, angemessenes Zeitfenster gesetzt, um die Streiks zu beenden und um endlich verhandeln zu können. Gleichwohl hat Verdi dies erneut verweigert", sagte der HPV- Verhandlungsführer Jürgen Peschel. "Es ist für mich völlig unverständlich, warum Verdi sich der Bitte nach einem friedlichen Verhandlungsrahmen entzieht."

Die Gewerkschaft habe die von ihr gesetzte lange Verhandlungspause im März dazu genutzt, um ausgiebig zu streiken. Durch die Länge der Verhandlungspause verzögerte Verdi die Verhandlungen. "Wir möchten diese einseitige Verzögerung durchbrechen und senden deshalb ein klares Signal der Wertschätzung an unsere Belegschaften."

Man empfehle den Mitgliedern eine freiwillige Erhöhung der Entgelte um 1,1 Prozent ab April 2021. "Die Arbeitgeber wollten immer einen Abschluss noch vor Ostern – das ist ihnen aufgrund der Blockadehaltung Verdis nicht gelungen. Mit der freiwilligen Erhöhung können wir aber wenigstens teilweise im Wort bei den Beschäftigten bleiben," sagt Peschel weiter. (kü)

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