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09.03.2021  Strategie
Kann Web-to-Print Druckereien retten?
Der Onlinedruck hat viele Jahre lang konstante Wachstumsraten verzeichnet. Doch die meisten Druckanteile scheinen bereits an etablierte Unternehmen vergeben. Lohnt es sich überhaupt noch, jetzt einen Onlineshop zu eröffnen?
Die Coronapandemie hat unseren Alltag verändert und mit ihm auch unsere Gewohnheiten. Der Lockdown brachte viele geschlossene Geschäfte mit sich, statt in Läden zu gehen, haben Verbraucherinnen und Verbraucher verstärkt im Internet eingekauft. Online bestellt, sicher geliefert: Die Waren kommen kontaktlos per Paketdienst ins Haus, in der Coronapandemie ein wichtiger Vorteil gegenüber dem stationären Handel.

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) berichtet zum Beispiel, dass das Weihnachtsgeschäft 2020 coronabedingt noch stärker als sonst online gelaufen ist. Etwa jeder vierte Euro wurde nach Schätzung des Verbands rund um Weihnachten online umgesetzt. Diese veränderten Gewohnheiten verstärken einen Trend, der im Druckmarkt schon seit einigen Jahren zu beobachten ist. Standardisierte Produkte, für die es keine persönliche Beratung braucht, werden kostengünstig im Web bestellt. Große Onlinedruck-Dienstleister haben ihre Geschäftsmodelle darauf aufgebaut. Sie drucken Visitenkarten und Bücher, Broschüren und Flyer, Mailings und Kataloge – bekommen ihre Kundinnen und Kunden dabei jedoch nie persönlich zu Gesicht.

Nicht immer kommt für die Umsetzung von Web-to- Print-Aufträgen ausschließlich der Digitaldruck zum Einsatz, große Mengen werden weiterhin konventionell im Offsetdruck produziert. Wichtig für eine effiziente Herstellung ist die Standardisierung. Kunden wählen vorgegebene Produkte aus, konfigurieren sie und schicken ihren Druckauftrag meist ohne persönliche Beratung ab. Druckdienstleister sammeln diese Aufträge und bringen sie so auf einen Druckbogen, dass möglichst effektiv produziert werden kann. Dafür sind große Mengen nötig, um verschiedene Aufträge so günstig wie möglich auf einem Bogen anordnen zu können.

Die größten Anbieter in diesem Markt sind bekannte Namen wie "Wir machen Druck", Flyeralarm, Onlineprinters, Laserline, Saxoprint, Unitedprint oder Viaprinto, um nur einige zu nennen. Sie haben die Kunst, Druckaufträge möglichst schnell durch die Produktion zu schleusen, perfektioniert. Es ist kein Geheimnis, dass auch kleinere Druckereien bei den Onlinedruck-Riesen bestellen, wenn es um Standardprodukte wie Visitenkarten geht. Einige der Onlinedrucker bieten dafür eigene Shops für Druckdienstleister an.

Doch die Coronapandemie hat auch diesen Markt noch einmal verändert. Cewe, das die Marken Laserline, Saxoprint und Viaprinto unter einem Dach vereint, berichtet zum Beispiel, dass der Geschäftsbereich kommezieller Onlinedruck von der Corona-Lage besonders heftig getroffen wurde: Der Umsatz ging in den ersten drei Quartalen 2020 um 35 Prozent auf 48,8 Millionen Euro zurück. Das ist ein heftiger Einbruch.


Besser erging es dem Cewe-Konzern mit dem Druck von Fotos. Dabei profitierte das Kerngeschäftsfeld im April und Mai 2020 vom ersten Lockdown während der Coronapandemie, heißt es von Cewe. Zwar sei der Sofortdruck am Verkaufspunkt durch eine reduzierte Besucherfrequenz betroffen gewesen, im Online-Fotofinishing- Geschäft habe der Stay-at-home-Effekt jedoch zu einem guten Auftragseingang geführt. Im dritten Quartal 2020 dominierte das coronabedingt geänderte Urlaubsreiseverhalten und führte zu weniger Fotoaufträgen. Insgesamt legte der Umsatz pro Foto in den ersten neun Monaten um mehr als 10 Prozent auf 23,18 Cent zu. Das Ebit des Geschäftsfeldes stieg dabei um 6 Millionen Euro auf 8,6 Millionen Euro.

Die Coronapandemie wirkt sich also deutlich auf das Bestellverhalten aus: Während Unternehmen, Veranstalter von Events, Händler oder auch Handwerker weniger Drucksachen benötigen und bestellen, werden Privatpersonen zu einer wichtigen Käufergruppe. Sie ordern zwar keine großen Auflagen, dafür macht es hier die Masse, beispielsweise bei Fotobüchern oder individualisierten T-Shirts.

Wie Druckdienstleister E-Commerce aufziehen sollten und ob sich Umsatzausfälle tatsächlich durch Geschäfte im Internet kompensieren lassen, lesen Sie im aktuellen Dossier von Druck & Medien. Es kann hier als E-Paper oder Heft bestellt werden.  
 
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