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News / Corona: Das Bedürfnis nach Austausch in Druckereien steigt
Holger Busch (l.) und Christoph Schleunung (Bild: VDMB)
09.11.2020  Menschen
Corona: Das Bedürfnis nach Austausch in Druckereien steigt
Christoph Schleunung und Holger Busch vom Verband Druck und Medien Bayern (VDMB) sprechen über die Folgen der Corona-Krise. Warum sie einen Digitalisierungsschub für die Druckbranche bringen kann und wieso der Austausch unter Kollegen in diesen Zeiten so wichtig ist.
Herr Schleunung, Sie setzen sich für mehr Gemeinsinn in der Druckbranche ein: miteinander statt gegeneinander. Macht Ihnen die Coronakrise einen Strich durch die Rechnung, weil jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt ist? 
Christoph Schleunung: Natürlich fokussiert sich jeder Unternehmer in so einer Krise darauf, das eigene Überleben zu sichern. Das war bei uns auch nicht anders. Aber deswegen verliert man nicht zwangsläufig die Kollegen aus dem Blick. Der Bedarf nach Austausch unter Kollegen steigt ja eher in einer Krise. Zudem haben uns die Beratungsangebote des Verbandes Druck und Medien Bayern zum Beispiel sehr geholfen, denn wir wurden jeden Tag auf den neuesten Stand gebracht und mit allen branchenrelevanten Informationen versorgt. 
 
Es wäre ja denkbar, dass so eine Krisensituation den Wettbewerb verschärft.

Schleunung: Das tatsächliche Ausmaß der Krise ist erst nach und nach klar geworden. Wir mussten uns fast alle mit Fragen wie dem Abbau von Überstunden und Urlaubsansprüchen beschäftigen und in der Folge mit Anträgen auf Kurzarbeitergeld auseinandersetzen. Das hat sehr viele Kräfte gebunden. Am Ende waren wir Unternehmen alle gleichermaßen betroffen. Ich habe daher schon ganz stark den Eindruck, dass das Miteinander in der Krise weitaus stärker war als das Gegeneinander. 
Holger Busch: Im Zuge der Pandemie wurde viel über Solidarität gesprochen. Für mich ist unser Verband auch ein Beispiel für die gelebte Solidarität einer Branche. Viele Betriebe haben auf "Überlebensmodus" umgestellt – da rückt man näher zusammen, und das Bedürfnis nach Austausch wächst. Der Verband hat sich in der Situation bewährt und schnell allen geholfen, die Hilfe gebraucht haben. Etwa, wenn es  darum ging, Kurzarbeitergeld oder Zuschüsse zu beantragen. Viele Unternehmen haben uns dafür mit Lob und Anerkennung bedacht. 
 
Für den Vertrieb wäre es vermutlich ohnehin schwer gewesen, an andere Etats zu kommen. 
Schleunung: Die Außendienstmitarbeiter waren ja ebenfalls in Kurzarbeit. Bei den Kunden sind viele Aufträge weggebrochen, weil es zum Beispiel keine Veranstaltungen oder Messen mehr gab. Bei einem Neukunden in dieser Zeit einen Besuchstermin zu bekommen, war so gut wie unmöglich. 
 
Herr Schleunung, Sie haben 2006 das Druckhaus Mainfranken gegründet, da waren Sie schon lange Geschäftsführer von Schleunungdruck. Wie kam es dazu? 
Schleunung: Anfang der 2000er Jahre habe ich Thorsten Fischer, den Gründer und Inhaber von 
Flyeralarm, getroffen. Er war auf der Suche nach einer Druckerei, die seine Online-Aufträge drucken kann. Thorsten Fischer selbst kommt ursprünglich ja aus einer ganz anderen Branche und hatte mit Druck eigentlich wenig zu tun. Er hatte aber als einer der Ersten die revolutionäre und weitsichtige Idee, Drucksachen über das Internet zu verkaufen. 
 
Damit hat er sich aber in der Branche zunächst viele Feinde gemacht. 
Schleunung: Ehrlicherweise muss man sich schon fragen, warum eigentlich keiner von uns Druckern auf die Idee kam, diesen Vertriebskanal zu nutzen. Wir bei Schleunungdruck haben jedenfalls angefangen, für Flyeralarm zu drucken, aber schnell gemerkt, dass das Onlinegeschäft mit seinen Standardprodukten auf Sammelformen viel automatisierter abläuft als die individuellen Produktionen, die wir bislang gewohnt waren.

Welche Empfehlungen Holger Busch und Christoph Schleunung für ihre Kollegen haben und wie sich die Corona-Krise auf die Digitalisierung in der Druckbranche auswirkt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Druck & Medien. Sie kann hier als E-Paper oder Heft bestellt werden.  
 
Außerdem in dieser Ausgabe:
"Wir halten als Team zusammen": Wie Marion Baur-Becker ihr Team von Baur OffsetPrint durch die Corona-Krise leitet.
Der Mut der Siebdruckerin: Warum eine junge Unternehmerin eine Siebdruckerei übernommen hat. 
Special Papier und Druckfarben: Welche Trends müssen Drucker kennen? 
Dossier "Führen in der Krise": So manövriert man Druckereien durch schwierige Zeiten. 
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