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30.04.2020  Wirtschaft
Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Druckbranche?
Die Konsequenzen der Corona-Pandemie für die Druck- und Medienindustrie werden in den Ergebnissen einer Branchenumfrage deutlich. Wie mehr als 650 Druckereien die Lage einschätzen und welche Hilfsangebote sie nutzen.
Die Umfrage lief vom 20. bis zum 26. April 2020 und wurde vom Bundesverband Druck und Medien (bvdm) sowie den Landesverbänden organisiert. Demnach sind 94 Prozent der Unternehmen von Corona-bedingten Auftragsrückgängen oder -stornierungen betroffen, 75 Prozent sogar stark. Ein Drittel der Unternehmen rechnet im zweiten Quartal 2020 mit einer Halbierung des Umsatzes gegenüber dem Vorjahresquartal. Weitere 37 Prozent erwarten Umsatzverluste von 26 bis 50 Prozent. 

Kurzarbeitergeld und staatliche Soforthilfeprogramme waren bis zum Ende des Befragungszeitraumes die wichtigsten Krisenhelfer, während Kredite und Bürgschaften staatlicher Stellen bis dahin kaum in Anspruch genommen wurden. Der bvdm geht jedoch davon aus, dass der Bedarf an Krediten mit Andauern der Krise steigen wird.

Die Umfrage zeigt außerdem, dass unter den aktuellen Umständen nur noch jedes fünfte Unternehmen seine Existenz bis maximal Ende Juni 2020 aufrechterhalten kann, weitere 24 Prozent gaben an, bis in den Juli durchhalten zu können. Damit würde sich die Anzahl der Betriebe im Sommer im schlimmsten Fall nahezu halbieren.

Dementsprechend mahnt der Verband an, die Bearbeitungszeiten für staatliche Hilfen deutlich zu verkürzen. Gleichzeitig gelte es, das bundesweite Zuschussprogramm auf Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern auszuweiten und außerdem eine Vereinheitlichung der staatlichen liquiditätsfördernden Direkthilfen zu gewährleisten.

Paul Albert Deimel, Hauptgeschäftsführer des bvdm, sagt: "Viele Unternehmen sind bereits jetzt am Limit", so Deimel, "wenn nun letzte mögliche Einsparpotenziale wie Verschiebung oder Streichung von Investitionen und Personalabbau ausgeschöpft werden müssen, droht die Gefahr, dass sich die Branche auszehrt. Für unsere systemrelevanten Betriebe, ohne die weder Waren in Verkehr kommen dürfen, noch wichtige Dienstleistungen erbracht werden können, müssen daher jetzt Maßnahmen greifen, die Unternehmen dazu befähigen, ihre Kunden nach deren Neustart ins Wirtschaftsleben angemessen zu bedienen. Sonst reißen ganze Lieferketten ab."
 
Die Druck- und Medienverbände unterstützen die Branchenbetriebe seit Beginn der Corona-Krise kontinuierlich mit neuen Informationen und Beratungen zu den Themen Arbeitsrecht, Vertragsrecht, Ausbildung bis hin zur Beantragung von staatlichen Leistungen. Diese oft tagesaktuelle Unterstützung wurde von 87 Prozent der Befragten als sehr hilfreich oder hilfreich bewertet.
 
Die Ergebnisse der Umfrage beruhen auf vollständig beantworteten Fragebögen von 653 Unternehmen der gesamten Branche. Davon beschäftigen rund 78 Prozent weniger als 50 Mitarbeiter, weitere 18 Prozent sind mittelständisch. Damit trägt die Stichprobe der KMU-Struktur der Branche Rechnung. Rund 68 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sind überwiegend im Werbe- und Akzidenzdruckbereich tätig. (kü)

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