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Axel Walter (l.) und Markus Esser
26.03.2019  Menschen
"Das ist eine Fusion auf Augenhöhe und keine Übernahme"
Walter Digital hat nach der Insolvenz der Heer-Gruppe mit Esser printSolutions einen neuen Partner gefunden. Die Geschäftsführer Markus Esser und Axel Walter sehen in der Fusion auch einen Beitrag zur Konsolidierung in der Druckbranche.
Herr Esser, was hat Sie an Walter Digital gereizt?
Markus Esser: Wir hatten schon länger Kontakt mit Walter Digital und uns überlegt, ob und wie wir kooperieren können. Der Gedanke lag nahe, denn wir haben ein sehr vergleichbares digitales Angebot und ähnliche Kunden. Synergien zu nutzen, wäre deshalb durchaus sinnvoll gewesen. Durch die Insolvenz hat das Ganze dann natürlich ziemlich an Fahrt aufgenommen.
 
Unter welchen Prämissen sollte die Zusammenarbeit ablaufen?
Axel Walter: Zwei Standorte mit gleicher Produktion aufrechtzuerhalten, wäre nicht rentabel gewesen. Das war klar. Weil die Marktsituation auch im Digitaldruck so angespannt ist, gab es nur eine sinnvolle Möglichkeit: konsolidieren. Das haben wir getan und unsere Produktionskapazitäten zusammengelegt.
 
Was heißt das konkret?
Walter: Unser Rollen-Inkjet-Standort in Sindelfingen/Maichingen wurde zum 31.Januar 2019 aufgelöst, ebenso der Bogen-Digitaldruck in Korntal. Dort gibt es seit Februar noch die Bereiche Kundenbetreuung, Vertrieb und einen Teil der Weiterverarbeitung.
 
Und Ihre 50 Mitarbeiter?
Walter: Etwa der Hälfte mussten wir leider betriebsbedingt kündigen, denn Druckproduktion, Vorstufe, Logistik und IT wurden ersatzlos gestrichen. Das ist nicht schön, denn gerade nach der Insolvenz hatten wir die umsatzstärksten Monate seit langem. Die Leute haben wirklich gut mitgearbeitet und sogar am Wochenende Schichten geschrubbt. Die meisten haben aber inzwischen neue Jobs, denn der Fachkräftemangel im Stuttgarter Raum ist groß. Erfreulicherweise können wir die Mitarbeiter in der Weiterverarbeitung in Korntal weiter beschäftigen. Außerdem ist ein Teil der Vorstufe nach Bretten zu Esser übergesiedelt. 
Esser: Das Personal von Walter ist super mit der Situation umgegangen. Es gab keine verstärkten Krankmeldungen, was in der Situation häufiger vorkommt. Wir hätten in Bretten gern mehr Leute übernommen, aber nicht alle wollten mitkommen. Wer nicht umziehen wollte, hätte auf der Autobahn 50 Kilometer pendeln müssen. Das ist – verständlicherweise – nicht jedermanns Sache.
 
Wo liegen für Sie die Vorteile dieser Fusion, Herr Esser? Haben Sie einfach einen Wettbewerber geschluckt oder steckt noch mehr dahinter?
Esser: Das auch, aber nicht nur. Das ist eine Fusion auf Augenhöhe und keine Übernahme. Das könnte irgendwann ein Problem werden. Zusammen mit den Walter-Kunden haben wir nun eine gesündere Auftragsbasis. Außerdem werden wir die Druckvolumen beider Standorte in Bretten bündeln und erzielen dadurch nahezu Vollauslastung. Unsere Produktivität ist also deutlich gestiegen. Aber wir ergänzen uns auch inhaltlich gut.

Wie die beiden Geschäftsführer die Aufgaben untereinander verteilt haben und wie sie über die Konsolidierung des Markts denken, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Druck & Medien. Hier geht es zur Bestellung von Abo oder Einzelheft, hier steht das E-Paper im iKiosk bereit. 
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