Please wait...
News / Neef + Stumme saniert in Eigenverwaltung
27.07.2018  Wirtschaft
Neef + Stumme saniert in Eigenverwaltung
Ein bei Neef + Stumme engagierter Finanzinvestor erwartet eine Kapitalrückzahlung. Aus diesem und weiteren Gründen hat die Druckerei eine Sanierung in Eigenverwaltung beantragt.
Deutlich rückläufige Volumina bei Kundenmagazinen haben bei Neef + Stumme zu einem spürbaren Umsatzrückgang im 1. Halbjahr 2018 geführt. Geschäftsführer Andreas Bauer: "Wir verlieren Aufträge nicht an den Wettbewerb, sondern Auflagen und Erscheinungsweise bei einigen Kundenzeitschriften sind stark rückläufig, Objekte wie beispielsweise das BMW Magazin wurden komplett eingestellt. Einige unserer Bestandskunden wachsen erfreulich, und wir sind in der Neukundenakquisition weiterhin durchaus erfolgreich. Das kann den Umsatzrückgang bei Bestandskunden aber nicht kompensieren. Und hinsichtlich der Kostenanpassung bei rückläufigen Umsätzen hat unser Unternehmen eindeutig noch erhebliches Optimierungspotential."
 
Die Geschäftsführung hat gemeinsam mit Apenberg & Partner ein Restrukturierungskonzept erarbeitet. Bauer: "Wir haben für unser Unternehmen erkannt, dass wir uns vor dem Hintergrund dieser Marktentwicklung etwas kleiner, noch feiner aufstellen müssen. Wir wollen uns noch mehr auf unsere profitablen Kunden fokussieren."

Diese Entwicklung wurde schon 2017 mit umfangreichen Rationalisierungsinvestitionen eingeleitet. Die CtP-Plattenbelichtung wurde vollautomatisiert, eine neue Heidelberg XL 106 Acht-Farbenmaschine, ein neuer Kolbus Klebebinder, ein neuer Sammelhefter und eine neue Falzanlage wurden installiert. Dabei haben die neuen Anlagen in der Regel zwei oder sogar drei ältere Maschinen ersetzt.

Keine zusätzliche Betriebsmittelfinanzierung

Das Restrukturierungskonzept zeigte für die folgenden 12 bis 18 Monate einen gestiegenen Liquiditätsbedarf und erforderte eine Bridge-Finanzierung. Bauer: "Wir konnten die Investitionen in 2017 und 2018 mit der Unterstützung unserer langjährigen und überaus konstruktiven Finanzierungspartner problemlos tätigen. Beim Versuch, eine zusätzliche Betriebsmittelfinanzierung für unser Unternehmen zu erhalten, waren wir aber nicht erfolgreich." Neef + Stumme finanziert sich unter anderem durch eine stille Beteiligung, sogenanntes Mezzanine-Kapital. Bauer weiter: "Der Vorteil des Nachrangkapitals ist eine komfortable Eigenmittelquote. Der Finanzaufwand ist mit einer Verzinsung von 16 Prozent p.a. für unsere Branche aber einfach zu hoch."

Jetzt, weniger als ein Jahr vor dem vertraglichen Laufzeitende, stellt diese Finanzierungskomponente eine zusätzliche Hürde dar. Bauer: "Der Finanzinvestor erwartet eine Rückzahlung des Nachrangkapitals, die bei uns engagierten Hausbanken erwarten, dass der Liquiditätsbedarf vorrangig durch Beiträge des Finanzinvestors gedeckt wird. Das passt nicht so richtig zusammen. Der Finanzmarkt bietet durchaus interessante Finanzierungsalternativen, zum Beispiel KfW-Mittel. Für Umfinanzierungen stehen derartige Mittel aber leider nicht zur Verfügung."

Eine Ausweitung des Engagements hat der bei Neef + Stumme engagierte Finanzinvestor schließlich abgelehnt. Bauer: "Die Entscheidung hat mich nicht wirklich überrascht, und aus seiner Sicht kann ich sie sogar nachvollziehen. Wir hatten uns rechtzeitig und hochkonzentriert mit einem 'Plan B' beschäftigt und uns mit Rechtsanwalt Manuel Sack und seinem Team bei der Kanzlei Brinkmann & Partner beraten. Den Antrag auf eine Sanierung in Eigenverwaltung aufgrund einer drohenden Zahlungsunfähigkeit haben wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt gestellt um das Heft des Handelns in der Hand zu behalten."

Und weiter: "Das Amtsgericht in Gifhorn hat der Eigenverwaltung und unserem Wunsch, Rechtsanwalt Rainer Eckert zum vorläufigen Sachwalter zu bestellen, entsprochen. Wir haben Rechtsanwalt Manuel Sack von Brinkmann & Partner mandatiert und ihm für die Dauer des Verfahrens Generalvollmacht erteilt. Unser neuer COO, Thomas Pohl und ich können uns so vorrangig auf das operative Geschäft fokussieren."

Hohe Eigenmittel

Die Ausgangslage bewertet Bauer als positiv. Das Unternehmen verfügt nach seinen Angaben über mehr als vier Millionen Euro Eigenmittel, es gibt keine Zahlungsrückstände, und auch das Umlaufvermögen ist positiv. Die Sanierung in Eigenverwaltung ermöglicht es, die für die Restrukturierung erforderliche Liquidität zu schöpfen.

In den vergangenen Tagen lag der Fokus auf einer umfassenden Information. Betriebsrat und Belegschaft wurden bereits am vergangenen Montag informiert, in den darauffolgenden Tagen wurden die wichtigsten Kunden und Lieferpartner persönlich angesprochen. Bauer: "Wir erfahren ausnahmslos bei allen Kunden eine großartige Loyalität und Unterstützung." Und das gilt wohl auch für die Belegschaft. Bauer weiter: "Nimmt man die Angst aus der Krise, wird sie zur Chance! Ich glaube, das haben unsere Kolleginnen und Kollegen sehr gut verinnerlicht."

Und wie sieht es bei den Lieferpartnern aus, Lieferungen nur noch gegen Vorkasse? Bauer: "Nein, In Krisenzeiten sieht man, wer zu einem hält! Von unserem wichtigsten Lieferpartner erfahren wir wertvolle Unterstützung. Bei anderen wird sehr formal reagiert. Wir haben eben, wie vermutlich jedes andere Unternehmen auch, Lieferanten – und Partner." (kü)

Sie möchten regelmäßig News von Druck & Medien erhalten? Hier können Sie unseren Newsletter abonnieren, der jeweils dienstags und donnerstags erscheint.   
Sie wollen immer auf dem Laufenden sein? Bestellen Sie jetzt den Newsletter von Druck & Medien!