Um die Unternehmensgruppe komplett neu aufzustellen, hat die Geschäftsführung Anträge auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für insgesamt sieben Gesellschaften gestellt, die das zuständige Amtsgericht in Aurich Ende der vergangenen Woche angenommen hat. Die SKN Gruppe beschäftigt rund 344 Mitarbeiter in den Geschäftsbereichen Druck, Zeitung und Verlag; am Standort Norden arbeiten 281, in Emden 63. "Im Segment Druck bietet SKN Druckleistungen, die Weiterverarbeitung im Bereich High Volume Printing sowie Leistungen im Bereich Spezialdruck an. Gedruckt werden Werbebeilagen, Zeitungen, Broschüren und andere Werbematerialien. Die Zielkunden sind unter anderem Handelsunternehmen, Verlage, Werbeagenturen und Industrieunternehmen", erklärt ein Sprecher.
Im Segment Zeitung erscheinen die lokalen Tageszeitungen "Ostfriesischer Kurier" (Auflage ca. 13.500, feierte 2017 150-jähriges Bestehen), "Norderneyer Badezeitung" (ca. 1.000, feiert 2018 150-jähriges Bestehen) sowie die Wochenblätter "Echo" (ca. 30.000) und "Nordeney Kurier" (ca. 4.500).
Im Segment Verlag produziert SKN Telefonbücher (überregional), Faltpläne und Bücher (Ostfriesika u.a.), das Magazin "Ostfriesland Magazin" (ca. 12.000 Auflage) und das "Norderland" (ca. 35.000 Auflage). Mit "Ostfriesland Bild" gehört zudem eines der größten Bildarchive mit ostfriesischen Motiven zur SKN Gruppe.
Als externen Berater hat sich der Verlag den Rechtsanwalt Dirk Andres (Kanzlei AndresPartner) an Bord geholt, der unter anderem 2016 als Insolvenzverwalter des Regionalsenders NRW.TV abwickelte. Andres gilt als Sanierungsexperte. Er zeigt sich zuversichtlich, die erforderlichen Sanierungsschritte kurzfristig umsetzen zu können: "Die Eigenverwaltung ist eine gute Möglichkeit, um den langfristigen Fortbestand im Interesse von Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten sowie Gläubigern sicherzustellen", betont Andres. Gerichtlich bestellter Sachwalter ist Rechtsanwalt Christian Kaufmann (Pluta).
"Die Gesellschafter wollen den Fortbestand der Unternehmensgruppe sichern und beabsichtigen, die erforderliche Sanierung im Rahmen einer Eigenverwaltung durchzuführen", heißt es auf Nachfrage von kress. Auf Fragen, ob es Gespräche mit anderen Verlagen zu einem möglichen Verkauf gibt, wollte der Sprecher nicht eingehen. Das klare Ziel sei es jetzt, das Unternehmen erfolgreich zu restrukturieren und möglichst viele Arbeitsplätze in Norden und Emden zu sichern, damit es "nach der Sanierung eine nachhaltige Rendite erzielen kann, die eine dauerhafte Sicherung des Geschäftsbetriebs ermöglicht", so ein Sprecher.
Neben der SKN Druck und Verlag GmbH & Co. hat das Amtsgericht Aurich die vorläufige Eigenverwaltung auch über die Soltau-Kurier-Vertrieb GmbH (120 Mitarbeiter), Soltau-Kurier-Norden GmbH (144), Ostfriesische Presse Druck GmbH (63), Industriedruck Norden GmbH & Co. KG (14), Ostfriesischer Kurier GmbH & Co. KG (0), Neumann Verlag für Telekom-VZ GmbH & Co. KG (3) angeordnet. Der Geschäftsbetrieb läuft in allen Gesellschaften weiter; die Löhne der Mitarbeiter sind durch Insolvenzgeld gesichert.
Insolvenzen von Zeitungshäusern sind im Gegensatz zu Insolvenzen bei Druckereien selten, aber immer ein verheerendes Signal für die gesamte Branche. Ende 2012 meldete der damalige Eigentümer der "Frankfurter Rundschau", die Kölner DuMont Mediengruppe, Insolvenz für den Traditionstitel an. Gemeinsam mit der "FAZ" übernahm die Fazit-Stiftung im Frühjahr 2013 das Blatt, das ab Anfang April 2018 mit der Zeitungsholding Hessen (ZHH) wiederum neue Eigentümer erhält.
Eine Erfolgsgeschichte ist heute die "Abendzeitung München". Die früheren Eigentümer, die Familie Friedmann, hatten für den Verlag im Frühjahr 2014 Insolvenz angemeldet. Seit Sommer 2014 gehört die "Abendzeitung" mehrheitlich dem Straubinger Verleger Prof. Martin Balle. Der glaubt weiterhin an das Qualitätsprodukt Zeitung; seit Anfang März gibt es eine eigene "Abendzeitung" in Landshut, weitere Lokalausgaben der "AZ" erscheinen dabei durchaus möglich.
Im Herbst 2014 schickte die Funke Mediengruppe den Westfälischen Zeitungsverlag in Insolvenz; die verbliebenen lokalen Ausgaben der "Westfälischen Rundschau" durfte das Essener Medienhaus trotzdem nicht veräußern.
Quelle: Kress.de