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28.04.2017  Wirtschaft
Anklage gegen Druck-Unternehmer
Nach langen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen Wolfgang Lerchl erhoben. Der Inhaber der Online-Druckerei Unitedprint soll Subventionsbetrug in Millionenhöhe begangen haben – unterstützt durch einen früheren Vorstand von KBA.
Rund zwei Jahre lang sammelten die Ermittler der Staatsanwaltschaft belastendes Material - nun sind sie sicher: Der Gründer und Geschäftsführer der Radebeuler Online-Druckerei Unitedprint hat sich des mehrfachen Subventionsbetrugs schuldig gemacht und bis zu 6,5 Millionen Euro unrechtmäßig kassiert. Oberstaatsanwalt Christian Avenarius von der Staatsanwaltschaft Dresden bestätigte Ende vergangener Woche auf Anfrage lokaler Medien ohne Nennung von Namen, dass Anklage erhoben wurde.

Millionenschwere Hochwasser-Schäden geltend gemacht

Hintergrund der Affäre: Unternehmer Wolfgang Lerchl, der nach der Wiedervereinigung die spätere Meißner Druckhaus AG von der Treuhand übernahm, hatte nach der verheerenden Flut im Sommer 2002 schwere Hochwasser-Schäden an seinen Maschinen geltend gemacht. Um sein Unternehmen in der Meißner Innenstadt zu retten, half man ihm mit millionschweren Zahlungen aus.

Nach Informationen der "Sächsischen Zeitung" gab es allein von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) rund 4,9 Millionen Euro. Weitere 2,7 Millionen Euro wurden aus der sogenannten Investitionszulage beigesteuert. Im Anschluss baute Lerchl in Radebeul-Naundorf quasi "auf der grünen Wiese" eine neue Druckerei mit einer Produktionsfläche von rund 2.700 Quadratmetern.

Die Maschinen lieferte KBA

2005 und 2006 wurde der neue Betrieb noch einmal kräftig erweitert: Das Unternehmen bekam zwei neue Produktionshallen sowie ein Daten- und Kommunikations-Center, womit die Produktionsfläche auf rund 10.000 Quadratmeter wuchs. 2007 folgte die Umfirmierung in Unitedprint.com SE.

Ausgestattet wurde das Unternehmen überwiegend mit Maschinen des Herstellers Koenig & Bauer (KBA), der in Radebeul ein großes Werk für den Bau von Bogenoffset-Maschinen betreibt.

Staatsanwaltschaft vermutet Manipulationen


Inzwischen vermutet die Staatsanwaltschaft, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Ein ehemaliges Vorstands-Mitglied von KBA soll – gemeinsam mit einem Firmenanwalt von Unitedprint – Unternehmer Lerchl aktiv bei dem vermuteten Betrug unterstützt haben, indem Verträge und Rechnungen zu seinen Gunsten "frisiert" wurden.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich dabei auch auf zahlreiche Schriftstücke, die bei mehreren Durchsuchungen im Jahr 2008 bei Unitedprint und in Lerchls Privathaus sichergestellt wurden. KBA selbst wollte sich zum Sachverhalt nicht äußern. Klaus Schmidt, Direktor Corporate Communications der KBA-Gruppe, erklärte auf Anfrage von Druck&Medien, der ehemalige Vorstand sei vor einiger Zeit ausgeschieden und habe nun mit dem Unternehmen nichts mehr zu tun. Selbstverständlich werde KBA mit den Behörden kooperieren, sofern dies erforderlich und gewünscht sei.

Lerchl weist die Vorwürfe zurück


Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine anonyme Anzeige, die seinerzeit bei den Behörden einging. Wolfgang Lerchl selbst bestreitet die Vorwürfe; nach seinen Angaben sind die Anschuldigungen "falsch und haarsträubend" und gehen auf einen "Denunzianten" zurück, der ihm seine Erfolge in der Druckbranche neide.

Unitedprint.com SE ist nach eigenen Angaben Europas Marktführer im Bereich Web-to-Print und betreibt die Onlinedruck-Portale www.unitedprint.de, www.print24.de, www.firstprint.de, www.getprint.de, www.printwhat.de und www.easyprint.de. Mehr als 500 Mitarbeiter arbeiten nach Angaben des Managements "24 Stunden rund um die Uhr mit modernster Technik" auf über 10.000 Quadratmetern Produktionsfläche.

Das Unternehmen hat Standorte in über 20 Ländern, unter anderem in den amerikanischen, kanadischen und europäischen Metropolen Seattle, Calgary, Berlin, London, Paris, Mailand, Madrid, Wien, Zürich, Amsterdam, Brüssel, Dublin, Luxemburg, Warschau, Prag, Kopenhagen, Oslo, Stockholm, Helsinki, Lissabon und Athen.

Clemens von Frentz
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