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28.04.2017  Wirtschaft
Razzia beim Bankknoten-Drucker
Im Zuge der Ermittlungen zu möglichen Schmiergeldzahlungen beim Essener Industriedienstleister Ferrostaal wurden auch Räume der süddeutschen Giesecke & Devrient GmbH (G&D) durchsucht. Es geht um Geschäfte in Millionen-Höhe.
Eine Sprecherin von Giesecke & Devrient bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag, erklärte aber zugleich, es werde momentan nicht gegen das Unternehmen selbst ermittelt. G&D sei als "unbeteiligter Dritter" von den Ermittlungen betroffen. Auch gegen Mitarbeiter des Konzerns werde nicht ermittelt. Man werde mit den Behörden eng zusammenarbeiten.

Nach aktuellen Informationen des "Spiegel" soll der Industriedienstleister Ferrostaal nicht nur für sich, sondern auch für andere Unternehmen Schmiergeld-Zahlungen abgewickelt haben. Im Falle Giesecke & Devrient geht es demnach unter anderem um den Verkauf von fünf Druck- und Prägemaschinen an die staatliche Banknotengesellschaft Indonesiens für mehrere Millionen Euro. Ferrostaal soll den Auftrag vermittelt und über einen Berater vor Ort Bestechungsgelder gezahlt haben.

Die Geschäftsleitung von Giesecke & Devrient erklärte dazu laut "Spiegel", den Verantwortlichen sei "von Unregelmäßigkeiten bislang nichts bekannt". Man werde aber die Geschäftsbeziehungen zu Ferrostaal nun erneut prüfen.

In den Akten der Staatsanwaltschaft finden sich zwei ähnliche Fälle, darunter der einer Firma in der Nähe von Bremen, für die Ferrostaal im Jahr 2006 ein 28-Millionen-Euro-Geschäft über ein Küstenwachboot für die kolumbianische Marine eingefädelt haben soll. Untersucht wird auch ein Fall, bei dem es um die Lieferung zweier U-Boote an Portugal geht.

Die Geschäftsräume von Ferrostaal waren am vergangenen Mittwoch bereits zum zweiten Mal wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Die erste derartige Aktion hatte im Juli 2009 stattgefunden.

Giesecke & Devrient wurde 1852 gegründet und zählt heute zu den weltweiten Markt- und Innovationsführern bei der Herstellung und Bearbeitung von Banknoten und Banknotenpapieren, bei Chipkarten-basierten Lösungen für die Bereiche Telekommunikation und elektronischer Zahlungsverkehr sowie bei Sicherheitsdokumenten und Ausweissystemen.

Der Konzern mit Sitz in München hat weltweit 49 Tochtergesellschaften und Joint Ventures in über 30 Ländern. Im Geschäftsjahr 2008 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 10.000 Beschäftigten einen Gesamtumsatz von 1,69 Milliarden Euro. (cvf)
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