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24.04.2017  Wirtschaft
Druck des Quelle-Katalogs angelaufen
Am Ende schaltete sich sogar Ministerpräsident Seehofer ein, um die Produktion des Herbst/Winter-Katalogs zu sichern. Mit Erfolg – pünktlich zum Wochenende liefen die Druckmaschinen in Nürnberg-Langwasser an.
Als die Produktion am späten Freitag-Abend begann, waren nicht nur die rund 8.000 Mitarbeiter der insolventen Arcandor-Tochter Quelle-erleichtert, sondern auch der Tiefdruck-Konzern Prinovis, der den Großteil der acht Millionen Kataloge am Standort Nürnberg produziert.

"Obwohl die endgültige Zusage für die von Quelle geforderte Bürgschaft noch nicht vorliegt, haben wir uns dazu entschlossen, mit der Produktion des Kataloges für unseren langjährigen Kunden Quelle zu beginnen", so Winfried Marquardt, Geschäftsführer von Prinovis Nürnberg. "Bei der Entscheidung vertrauen wir auf den politischen Willen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland zur Unterstützung von Quelle und damit auch ihrer Lieferanten."

Um die Fertigung nach dem Wochenende fortsetzen zu können, benötigt Prinovis nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen eine rechtsverbindliche Zusage zur Übernahme der Produktionskosten. Diese liegen bei rund 20 Millionen Euro.

Quelles vorläufiger Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und die beteiligten Banken hatten bis kurz vor Andruck intensiv mit Vertretern der bayerischen Landesregierung verhandelt, die das Thema auf einer eigens einberufenen Sondersitzung beriet. Am Donnerstagabend beschloss das Bundesland, sich mit 21 Millionen Euro an einer Bürgschaft über 50 Millionen Euro zu beteiligen.

**break**Verschärft hatte sich die Situation dadurch, dass die Factoring-Bank Valovis ihre Aktivitäten für Quelle nach dem Insolvenzantrag eingestellt hatte. Valovis ist die frühere Karstadt Hypothekenbank AG, die heute zum Pensionsfonds des KarstadtQuelle Mitarbeitertrust e. V. gehört.

Prinovis war 2005 aus dem Zusammenschluss aller deutschen Tiefdruck-Aktivitäten des Axel Springer Konzerns und der zwei Bertelsmann-Töchter Gruner + Jahr und Arvato entstanden. Die Gesellschaft firmiert als Limited & Co. KG. und versteht sich als "dezentral organisierter Verbund mittelständischer Unternehmen, der auf dem europäischen Markt für Illustrationsdruck führend ist und seinen Kunden im Bereich Tiefdruck europaweit innovative Lösungen sowie flexible und leistungsfähige Dienstleistungen bietet".

Das Unternehmen betreibt insgesamt fünf Werke in Ahrensburg, Dresden, Itzehoe, Liverpool und Nürnberg. Der Standort Darmstadt mit rund 300 Mitarbeitern war 2008 stillgelegt worden. Einige Branchenkenner sind der Ansicht, dass in absehbarer Zeit eine weitere Schließung folgen könnte, weil Prinovis die hoch gesteckten Rendite-Erwartungen seiner Anteilseigner bislang nicht erfüllen konnte.

Clemens von Frentz
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