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20.04.2009  Wirtschaft
Weltgrößter Bierdeckel-Drucker insolvent
Erst Ende 2005 hatte ein Investor das badische Unternehmen übernommen, nun musste die Geschäftsleitung den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Betroffen sind rund 240 Mitarbeiter.
Die Hiobsbotschaft kam am Tag nach Ostermontag: Am 14. April stellte die Katz-Geschäftsführung beim Amtsgericht Baden-Baden einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Acherner Rechtsanwalt Ferdinand Kießner von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt.

The Katz Group ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung und Produktion von Bierdeckeln (englisch: Coaster). Zur Gruppe gehören die Katz International Coasters GmbH mit Sitz im badischen Weisenbach, die Kurprinz GmbH in Großschirma bei Chemnitz sowie die Anthemius Vermögensverwaltung GmbH, die ihren Sitz ebenfalls in Weisenbach hat und als Beteiligungsholding Anteile an den beiden anderen Unternehmen hält.

Die wichtigsten Absatzmärkte des Unternehmens sind die USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Irland. Der Marktanteil der Katz-Gruppe in Europa beträgt rund zwei Drittel, in den USA sogar 97 Prozent.

Darüber hinaus produziert das Unternehmen weitere Produkte aus Pappe und Papier und ist außerdem mit dem Design und Vertrieb einer Vielzahl von Promotionsartikeln befasst, die zu Werbezwecken verwendet werden. Die Hauptkunden der Gruppe sind Brauereien.

**break**Geschäftsführer Garry Hobson begründete die aktuelle Schieflage mit dem schwachen Brauergeschäft der vergangenen Jahre. "Seit 2007/2008 schrumpft der Bierabsatz in der Gastronomie", so Hobson. "Mit dem Schrumpfen des Biermarktes geht auch das Marktpotential für Untersetzer zurück."

Auch die Konsolidierung der internationalen Brauereien wirkte sich negativ auf den Umsatz der Katz-Gruppe. Das Unternehmen reagierte mit einem Strategiewechsel, indem andere Pappeprodukte hergestellt und neue geographische Wachstumsmärkte für Untersetzer erschlossen werden sollten. Sanierungsverhandlungen zwischen der Hauptgesellschafterin und der kreditgebenden Bank sind jedoch gescheitert.

Laut Insolvenzverwalter Kießner gab es bereits erste Gespräche mit der Katz-Geschäftsführung, um die Möglichkeit einer Fortführung der Unternehmensgruppe zu prüfen und mit potentiellen Investoren oder Übernehmern zu verhandeln. Kießner: "Es geht um 240 Arbeitsplätze, davon 150 in Weisenbach, die alle Beteiligten möglichst erhalten möchten. Die Löhne und Gehälter wurden bis Ende März bezahlt."

Die Wurzeln der Katz-Gruppe gehen zurück auf das Jahr 1716, als Johann Georg Katz ein Sägewerk in Weisenbach gründete. Im Jahr 1903 wurde dort der erste Bierdeckel hergestellt, und die Bierdeckelproduktion gehörte fortan zum Kerngeschäft des Unternehmens. Die erste automatische Bierdeckel-Druckmaschine produzierte im Jahr 1930 schon 30.000 Bierdeckel am Tag, und 1969 konnte die Produktion auf eine Million Bierdeckel täglich gesteigert werden – durch eine kombinierte Druck- und Stanzmaschine.

Seither gab es mehrere Eigentümerwechsel. Nachdem der Pfleiderer-Konzern 1978 vorübergehend eingestiegen war, erwarb 2000/2001 der Finanzinvestor 3i im Zuge einer "Buy and Build Strategy" die Katz International Coasters GmbH, die Quarmby Ltd. (Großbritannien) sowie die Waterlomat S.A. (Belgien) und formte daraus die heutige Katz-Group.

Bereits 2005 stieg der Investor wieder aus und reichte die Gruppe an die Investoren Kinsky Capital und Equivest GmbH & Co Beteiligungs KG (vertreten durch CBR Management GmbH, München) weiter. Sprecher der Geschäftsleitung wurde der damalige Chief Operating Officer Garry Hobson, der nun beim Amtsgericht Baden-Baden den Insolvenzantrag stellen musste.

Clemens von Frentz
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