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27.04.2017  Wirtschaft
Gespanntes Warten auf den Auftakt
Am heutigen Donnerstag beginnen um 13 Uhr im Berliner Hilton Hotel die Tarifverhandlungen der deutschen Druckindustrie. Die Gewerkschaft Ver.di fordert für die rund 170.000 Beschäftigten der Branche fünf Prozent mehr Geld. Beobachter erwarten ein langes und zähes Ringen. Die Friedenspflicht endet am 30. April.
Nachdem Ver.di den Lohntarifvertrag für die gewerblichen Arbeitnehmer der Druckindustrie zum 31. März 2009 gekündigt hat, fordert die Gewerkschaft nun eine lineare Anhebung der Löhne und Ausbildungsvergütungen von fünf Prozent zum 1. April 2009.

Für diese Forderung führt Ver.di eine ganze Reihe von Gründen ins Feld, die im Wesentlichen auf die gestiegene Produktivität der Branche und die gleichzeitig gestiegenen Lebenshaltungskosten abheben.

So heißt es beispielsweise in einem "Tarif-Info" für die Mitglieder: "Die Druckindustrie hat sich nach den Krisenjahren seit 2004 kontinuierlich erholt und beachtliche Zuwächse erzielt. Vor allem die Leistung der Beschäftigten (Produktivität) hat enorm zugelegt. Zwar erreichte der Produktivitätszuwachs im letzten Jahr nur +0,2 Prozent, aber auf sehr hohem Niveau. Man kann eben Bestleistungen nicht jedes Jahr toppen."

In den Jahren 2004 bis 2008, so Ver.di, hätten die Beschäftigten über 18 Prozent mehr Leistung gebracht (gemessen in Arbeitsproduktivität). Produktion und Umsatz seien ebenfalls kräftig gestiegen, während der Tariflohn im selben Zeitraum aber um weniger als acht Prozent gestiegen sei.

**break**Gleichzeitig sei der "Aufschwung 2006 bis 2008 an den Portmonees vorbeigegangen". Die Jahre 2006 bis 2008, so Ver.di, "waren Hochkonjunkturzeiten - Produktion, Umsätze und Gewinne sind gesprudelt. Bezogen auf diesen Zeitraum haben die Beschäftigten der Druckindustrie schon nach der Statistik heute real weniger Geld in der Tasche als vor drei Jahren."

Verstärkt werde dieser Trend aber noch "durch Angriffe der Arbeitgeber auf tarifliche und überbetriebliche Besitzstände". Insofern sollten Einkommenssteigerungen spürbar sein, daher sei ein Plus von "fünf Prozent mehr nur fair".

Aus Arbeitgebersicht stellt sich die Situation naturgemäß anders dar. In einer ersten Stellungnahme des Bundesverbandes Druck und Medien (bvdm) zur Fünf-Prozent-Forderung heißt es wörtlich: "Diese Vorstellung ist in der anhaltenden Rezession, deren Verlauf nicht absehbar ist, für die Unternehmen der Branche nicht tragbar."

**break**Die Argumentation des Verbandes: "Wenn sich Schlüsselunternehmen der deutschen Wirtschaft unter staatliche Schutzschirme stellen, Kurzarbeit oder Insolvenz anmelden, ist dies eine dramatische, noch nie da gewesene Ausgangssituation mit gravierenden Konsequenzen auch für die Druck- und Medienbetriebe. Die tariflichen Entgelte müssen sich an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Unternehmen in der Branche ausrichten."

Gerade jetzt forciere der harte Wettbewerb einen hohen Innovationsdruck bei den Unternehmen. Investitionen seien dringend notwendig, um zukunftsfähige Arbeitsplätze zu erhalten. Jede zusätzliche Belastung der Betriebe gehe in der Krise auf Kosten der Arbeitsplätze.

Grundsätzlich sei festzustellen, dass "die Mitarbeiter in der Branche gute Arbeit leisten" und "gutes Geld" verdienen. Die Beschäftigten in der Druckindustrie gehören daher laut bvdm "seit Jahren zu den 'Besserverdienenden' im Branchenvergleich". Die Ankurbelung von Binnennachfrage und Konsum sei keine Aufgabe der Tarifautonomie, sondern eine Angelegenheit der staatlichen Wirtschaftspolitik.

Die deutsche Druckindustrie beschäftigt knapp 175.000 Arbeitnehmer und erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von etwa 24 Milliarden Euro. Für 2009 wird mit einem Umsatzrückgang um zwei bis drei Prozent gerechnet. Belastend für die Druckunternehmen ist laut bvdm auch der Umstand, dass die Kosten für Material und Rohstoffe steigen, während die Preise für Druckleistungen seit Jahren gesunken sind. (red)
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