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26.04.2017  Wirtschaft
Montgomery will wieder aussteigen
Nach Informationen des Branchendienstes "Kress" will die angeschlagene britische Mecom-Gruppe den Berliner Verlag, zu dem unter anderem die "Berliner Zeitung", die "Hamburger Morgenpost" und die BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH gehören, wieder verkaufen.
Als möglicher Käufer ist der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg ("Kölner Stadt-Anzeiger", "Express") im Gespräch. Laut "Kress" plant DuMont eine weit reichende Fusion der "Berliner Zeitung" mit seiner "Frankfurter Rundschau".

"Rundschau"-Chefredakteur Uwe Vorkötter war früher Chef bei der "Berliner Zeitung" und verließ das Blatt wegen des neuen (Spar)-Kurses des Mecom-Chefs David Montgomery. Erhielte DuMont den Zuschlag, soll Vorkötter die Leitung beider Blätter übernehmen.

WAZ-Gruppe hat ebenfalls Interesse

Einen Strich durch die Rechnung könnte DuMont allerdings noch die Essener WAZ-Gruppe machen. Deren Geschäftsführer Christian Nienhaus, der einst auch den Berliner Verlag leitete, soll ebenfalls an dem Verlagsgeschäft der deutschen Mecom-Holding interessiert sein.

DuMont hatte schon einmal ein Angebot für den Berliner Verlag abgegeben. Das war im Herbst 2005. Damals hatte die Holtzbrinck Verlagsgruppe das Unternehmen, das ihr gehörte, aber aufgrund einer Entscheidung des Bundeskartellamtes nicht gemeinsam mit dem "Tagesspiegel" geführt werden durfte, für geschätzte 180 Millionen Euro an die Investoren um David Montgomery weitergereicht.

Auch die "MoPo" würde den Besitzer wechseln

Der Kaufpreis soll nun unter 200 Millionen Euro liegen und auch die "Hamburger Morgenpost" (MoPo) einschließen, die ebenfalls zur Mecom-Gruppe gehört. Das Blatt hat seit seiner Gründung im Jahr 1949 bereits zahlreiche Eigentümerwechsel erlebt. Ursprünglich gehörte es der SPD, dann stieg der Verlagskonzern Gruner+Jahr ein, der trotz zahlreicher Chefredakteurs-Wechsel allerdings wenig Glück mit der Zeitung hatte und 1999  nach 13 Jahren wieder ausstieg.

**break** Im Berliner Verlag erscheinen die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier"; außerdem gehören der Verlagsgruppe das Stadtmagazin "Tip", die Anzeigenzeitung "Berliner Abendblatt" sowie Anteile an Berlinonline, dem größten Internetportal der Stadt. Außerdem zählt zum Verlag die Berliner Zeitungsdruck GmbH in Lichtenberg. Das Unternehmen hat rund 165 Beschäftigte.

Mecom-Gruppe hoch verschuldet

Hintergrund der aktuellen Verkaufspläne ist offenbar der Umstand, dass Montgomerys börsennotierte Mecom-Gruppe derzeit massive Problem hat. Das Verlagsimperium aus Regionalzeitungen in den Niederlanden, Norwegen und Osteuropa ächzt unter einer enormen Schuldenlast. Die Mecom-Aktie fiel auf auf weniger als einen Pence pro Stück.

Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Mecom von seinen Gläubigern einen Aufschub bis Februar bekommen hat, um seine Schuldenprobleme zu lösen. Für die norwegische Beteiligung Edda Media wurde bereits ein Übernahmeangebot abgegeben, und der Springer-Konzern ist an einem Kauf der polnischen Verlagsteile interessiert.

Rendite von rund 18 Prozent gefordert

Sollte der Verkauf tatsächlich stattfinden, wäre das ein Triumph für die Gegner von Montgomery und Josef Depenbrock, dem Statthalter der Mecom-Group in Deutschland. Montgomery, ehemals Chef der britischen "Mirror"-Gruppe und in Großbritannien mit einem schlechtem Ruf gesegnet, hatte in Deutschland nie zu einer Linie gefunden. Finanziert durch Private Equity-Kapital, waren die Renditeforderungen an das operativ profitable Unternehmen von Anfang an hoch und lagen im dritten Jahr nach der Übernahme bei etwa 18 Prozent.

Für anhaltenden Unmut sorgte die Entscheidung Montgomerys, den ehemaligen Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost", Josef Depenbrock, sowohl als Chefredakteur der "Berliner Zeitung" wie als Geschäftsführer des Berliner Verlags und der deutschen Mecom-Holding zu installieren. Damit waren Interessenkonflikte programmiert, und Streitigkeiten zwischen Belegschaft und Depenbrock gehörten zur Tagesordnung. Vor einigen Monaten hatte Depenbrock den deutschlandweiten Abbau von etwa 150 Stellen im Konzern angekündigt.

Clemens von Frentz
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