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28.04.2017  Wirtschaft
Ende Oktober wird abgewickelt
Alle Rettungsversuche sind fehlgeschlagen, nun muss Insolvenzverwalter Wolfgang Bilgery die Genossenschafts-Druckerei Tübinger Chronik schließen. Über 40 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
60 Jahre nach der Eintragung ins Genossenschaftsregister ist die Tübinger Chronik Druckerei- und Verlagsgenossenschaft eG (TC Druck), die Mitte April einen Insolvenzantrag gestellt hatte, endgültig gescheitert. Nach Auskunft von Insolvenzverwalter Wolfgang Bilgery ist es dem Bogendruck-Betrieb nicht gelungen, einen rettenden Investor zu finden. Das "Schwäbische Tagblatt" zitiert ihn mit der Aussage, die Druckerei habe bei einem geschätzen Vermögen von 3,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 6,5 Millionen Euro.

Hohe Rentenverpflichtungen

Der wichtigste Gläubiger des Unternehmens ist der Pensions-Sicherungs-Verein in Köln, der aus der Insolvenzmasse 3,2 Millionen Euro fordert. Insolvenzverwalter  Bilgery erklärte dazu, die Renten seien "für die Vorstände ein unlösbares Problem", da damit verbundene Belastung stetig zugenommen habe. Innerhalb von 16 Jahren sei die Zahl der Renten-Empfänger von 42 auf 100 gestiegen.

Das Unternehmen, das von Vorstand Mark Schopf geleitet wird, hatte seit 2003 massive Probleme, da damals der Druckauftrag für das "Schwäbische Tagblatt" gekündigt wurde. Damit verlor TC etwa die Hälfte seiner Einnahmen.

Kritik am Management

Nach Angaben des Insolvenzverwalters wurde dieser Umsatzverlust nie wirklich verkraftet. Bilgery gegenüber dem "Tagblatt": "Die Maßnahmen der Geschäftsführung waren nicht energisch genug, um die Umsatzeinbrüche auffangen zu können. Es wurde zwar Personal abgebaut, aber nicht im notwendigen Maße." Das habe vermutlich auch mit "psychologische Barrieren innerhalb einer Genossenschaft" zu tun. Zusätzlich habe TC massiv unter den "Überkapazitäten auf dem regionalen Druckmarkt" gelitten.

Nach Ansicht des Betriebsrates gibt es zudem Grund für Kritik an den Entscheidungen der Geschäftsführung. Vize-Betriebsratschef August Eberle sagte im Gespräch mit dem "Tagblatt", TC Druck sei "eigentlich ein Super-Unternehmen" gewesen, aber möglicherweise habe das Management "nicht immer überragend gearbeitet".

Anfang der 70er Jahre über 150 Mitarbeiter

Das Unternehmen war 1948 ins Genossenschaftsregister eingetragen worden. Vorausgegangen war die Gründungsversammlung am 3. September 1947, in der 42 Mitarbeiter der alten "Tübinger Chronik" den Betrieb gegründet hatten. Ende 1971 beschäftigte TC Druck bereits 158 Personen.

1975 folgte die Anschaffung einer Offset-Zweifarben-Maschine im Format 35 x 72 vom Typ Roland Favorit und einer Heidelberger GTO - eine Gesamtinvestition von damals 125.000 D-Mark. 1990 kamen eine Fünffarben Heidelberg Speedmaster und eine Vierfarben-GTO Heidelberg im Format A3 hinzu, die später durch weitere Offfset-Maschinen - überwiegend aus dem Hause Heidelberg - komplettiert wurden.

Am 16. Juni 2008 wurde dann vom Amtsgericht  Tübingen das Insolvenzverfahren eröfffnet. Begründet wurde dieser Schritt mit Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Am gleichen Tag ging beim Gericht die Anzeige des Insolvenzverwalters ein, dass voraussichtlich Masseunzulänglichkeit vorliegt. Nun soll im Herbst der Maschinenpark und das Firmengebäude in der August-Bebel-Straße versteigert werden.

Clemens von Frentz
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