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27.04.2017  Wirtschaft
Geschäftsmodell der Zeitungen wandelt sich
Zeitungen verdienen mittlerweile mehr über die Auflage und weniger über die Anzeigen - das ist ein Ergebnis der World Press Trends. Die Umfrageergebnisse wurden vom Verband WAN-Ifra vorgestellt.
Die globalen Erlöse der Zeitungen aus dem Auflagenverkauf sind erstmals in diesem Jahrhundert höher als die Erlöse aus dem Anzeigengeschäft. Das zeigt die jährliche World Press Trends Umfrage, die vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) vorgestellt wurde.

"Die Grundannahme des Nachrichtengeschäftsmodells, dass Nachrichteninhalte durch Erlöse aus dem Anzeigengeschäft subventioniert werden, hat sich erledigt", sagte WAN-IFRA-Generalsekretär Larry Kilman bei der Vorstellung der Umfrage beim 67. Weltkongress der Nachrichtenmedien, 22. World Editors Forum und 25. World Advertising Forum in Washington. "Es lässt sich eindeutig sagen, dass die Leserschaft zur größten Erlösquelle der Verlage geworden ist."

Die Zeitungen haben 2014 Erlöse von schätzungsweise 179 Milliarden US-Dollar aus dem Verkaufs- und Anzeigengeschäft generiert - mehr als die Buch-, Musik- oder Filmbranche. Davon entfielen 92 Milliarden US-Dollar auf den Verkauf von Print- und Online-Ausgaben und 87 Milliarden US-Dollar auf das Anzeigengeschäft, so die Umfrage.

"Das ist eine seismische Verschiebung von einer starken Beziehung zwischen Verlagen und Anzeigenkunden hin zu einer wachsenden Beziehung zwischen Verlagen und Publikum", sagte Kilman. Im 20. Jahrhundert hat das Anzeigengeschäft in einigen Märkten bis zu 80 Prozent der Erlöse eingebracht. Der Anteil schwankt je nach Markt, in einigen europäischen und asiatischen Märkten bringt das Anzeigengeschäft vielleicht 40 Prozent der Erlöse ein. Doch die Umfrage zeigt, dass die Anzeigenerlöse der Zeitungen fast überall zurückgehen, während die Auflagenerlöse relativ stabil bleiben.

"Print war einer von wenigen traditionellen Marketingkanälen und für Marketingfachleute meist die einzig logische Wahl für Branding und Marketing", sagte Kilman. "Diese direkte gegenseitige Abhängigkeit existiert nicht mehr. Werbungtreibende haben heute mehr als 60 verschiedene Medien zur Auswahl."

"In 2015 ist klar, dass die Zeitungsbranche nicht dem Untergang geweiht ist. Trotz des boomenden Wettbewerbs stellen Zeitungen in aller Welt ihren Wert für Anzeigenkunden unter Beweis. Sie entdecken neue Märkte und neue Geschäftsmodelle, die heute ebenso relevant für die Nachrichtenproduktion sind wie Anzeigen- und Auflagenerlöse. Sie haben sich von Print-Zeitungsverlagen zu echten Multiplattform-Nachrichtenmedienunternehmen gewandelt." (kü)
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